Staatsliebe in Deutschland

Der Staat, besonders in Deutschland eine "heilige Kuh" (Bildquelle: Wikipedia)

Der Staat, besonders in Deutschland eine „heilige Kuh“ (Bildquelle: Wikipedia)

Der Staat, dass ist für viele meiner Mitbürger eine unumstößliche, mit schierer Allmacht und Weißheit ausgestattete Institution die seit „ehernen Zeiten“ für unser Wohl sorgt und dem man gegenüber mit tiefer Erfurcht begegnet. Ich habe schon viel darüber geschrieben wie sehr speziell dieses drollige Völklein in Mitteleuropa sich so sehr diesem Staatsglauben hingibt, doch habe ich es in letzter Zeit erneut erlebt wie dieser Glaube an die praktische Unfehlbarkeit des Staates immer neuere Blüten treibt.

Meine Beobachtungen machte ich in persönlichen Gesprächen, aber auch in Diskussionen in Feuilleton der Zeitungen und besonders auch im Netz. Da wird zwar in der Regel doch sehr genau erkannt was für Irrsinn Aktionen wie die endlos „Rettung“ Griechenlands sind oder das ein allgemeiner Einheitsmindestlohn Arbeitsplätze kostet und keinem dazu verhilft ein besseres Auskommen zu haben sondern nur zu noch mehr (Kontroll-)Bürokratie führt, doch das der liebe Bürger auf die Idee kommt den Staat direkt für solche Schwachsinnsideen in Haftung zu nehmen, ach, weit gefehlt! Da psychologisch gesehen die meisten Bürger sich direkt mit dem Staat identifizieren fühlen sie sich selbst meistens betroffen wenn dieser angegriffen wird oder sind peinlich berührt wenn dieser wieder einmal Mist baut. Sie glauben das sie der Staat sind, die Idee des Bürgerstaates geistert noch durch viele Köpfe, doch das ist er längst nicht mehr, leider scheint das im Unterbewusstsein der breiten Masse der Bevölkerung noch nicht angekommen zu sein. Das führt zu der kuriosen Situation das sehr viele beinahe penetrant den Staat verteidigen auch wenn sie ihn zwei Sätze zuvor aufs schärfste kritisiert haben. Sie denken das ist Schizophren? Ja, dass ist es, ich nenne das die „neudeutsche politische Schizophrenie“. Diese Persönlichkeitsspaltung führt dazu das der stolze, freie und selbstbewusste Bürger quasi in Personalunion mit dem treuen, devoten „Staatsbürger“ steht, wenn es haarig wird kommt der Satz: Na ja, „die da oben“ werden sich bei dem und dem Vorhaben schon etwas gedacht haben! Das müssen wir jetzt halt mittragen (und vorallem ertragen!) Herr schmeiß Hirn ra aber treff besser entfährt es mir bei solchen Aussagen regelmäßig liebe Leser!

Viele tun so als sei der Staat irgendwie ihre Vertretung, wenn es so wäre hätten ich damit ja auch weiß Gott kein Problem, doch dem ist nicht so. Denn wenn eine von mir bestimmte rechtliche Vertretung nicht mehr so funktioniert wie ich das Wünsche und ein gruseliges Eigenleben entwickelt dann setzte ich diese Vertretung einfach ab, doch beim Staat geht das bekanntermaßen nicht so einfach… Die meisten Bürger haben zwar eine ungefähre Ahnung davon das hier irgendwas nicht stimmt, sie schütteln auch häufig den Kopf über die Entscheidungen ihrer ursprünglich doch Mal „irgendwie“ gewählten politischen Führungsfiguren, doch die letzte Konsequenz aus solchen Überlegungen scheuen sie dann meistens doch. Nämlich die das sich hier etwas gewaltig verselbstständigt hat und der Bürger längst zum Bittsteller des Staates, zum reinen Steuermelkvieh verkommen ist, ein Erfüllungsgehilfe der Mächtigen im Staat, mehr nicht. Darum bleiben viele bei aller berechtigten und richtigen Kritik an einem gewissen Punkt stehen, nämlich dann wenn es darum geht den Staat in seiner Funktion und seiner Ausführungsweise fundamental in Frage zu stellen. Mein Gott wir könnten ja als sog. „Staatsfeinde“ gebrandmarkt werden! Doch halt? Stopp, wieso denn? Wer zahlt denn diese ganze Veranstaltung? Das sind doch wir? Und wenn ich hier Leute für meine politische Vertretung bezahle habe ich doch verdammt nochmal ein Recht darauf von denen anständig behandelt zu werden oder? Und vorallem auch das Recht darauf umfassend und korrekt über wichtige Geschehnisse informiert zu werden, nicht ständig belogen und betrogen zu werden und im Zweifelsfalle die Dinge wieder selbst in die Hand zu nehmen. Ich erinnere hier an den Geist der US-Verfassung von 1776, wer diese einmal durchliest dem dürfte sofort auffallen wie die Gründerväter das angedacht haben. Nämlich das eine Regierung nicht wie damals allgemein üblich durch einen von „Gott“ berufenen König gestellt wurde sondern das die Regierung lediglich eine Organisationsgruppe die von Volkes gnaden abhängig ist. Und diese lässt ihrer Bevölkerung weitgehende Autonomie über ihr Leben und ihre Organisation vor Ort. Und wenn die Regierung auf dumme Ideen kommen sollte hätte das Volk jedes Recht sich mit allen Mitteln gegen eine etwaig tyrannische Regierung zur Wehr zu setzen. Darum war die ursprüngliche Bundesarmee der USA eine schwache kleine Truppe, darum hatten die einzelnen Bundesstaaten praktische komplette Autonomie/Unabhängigkeit und von den einzelnen einfachen Bürgern wollte eigentlich nie jemand irgendwas, sogar die Sheriffs wurden vor Ort von den Bürgermeistern bzw. damit von der Bevölkerung bestimmt. Und stellen sie sich vor was passierte? Genau, die USA wurden seit dem zur stärksten Wirtschaftsmacht die die Welt bis dato gesehen hatte, sie erlebte einen beispiellosen Aufstieg. ! Die Vielfältigkeit und die Chancenfreiheit für JEDEN brachten den Ruf von „Land of the Free“ und dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ hervor von dem die USA heute noch zehren. Natürlich hat sich auch dort sehr, sehr vieles mittlerweile zum schlechten gewandelt, spätestens seit dem Sieg der Nordstaaten über die Konföderierten Staaten im US-Bürgerkrieg wurde die Idee von möglichst unabhängigen Republiken und einer schwachen Regierung in Washington sowie einer wehrhaften Bevölkerung Stück für Stück zu Grabe getragen. Aber die ursprüngliche Idee der Verfassung von 1776 ist nach wie vor Aktuell und sucht in der Geschichte bisher ihresgleichen.

Und jetzt verraten Sie mir wieso zum Henker speziell die Deutschen dieser Erfolgsgeschichte misstrauen? Wieso lieben Sie ihren Staat abgöttisch und vertrauen lieber auf anonyme Institutionen als auf ihre eigenen Kräfte und Fähigkeiten zur Problemlösung? Wieso will der Deutsche das der Staat ihm mehr als die Hälfte seines Einkommens abnimmt um damit ohnehin in der Mehrzahl nur Blödsinn anstellt? Sind wir ein Volk von Masochisten? Oder einfach Gutgläubig im schlechtesten Sinne? Ich denke eine Mischung aus beidem bzw. mehreren Faktoren sind hierfür ursächlich. Denn wenn wir zurück gehen in die Anfangsjahre der Bundesrepublik, die Zeit von Ludwig Erhards und seinem Wirtschaftswunder, die Einführung der Marktwirtschaft (das Wort „sozial“ hat er nur angefügt um die misstrauischen Deutschen zu besänftigen beziehungsweise Marktwirtschaft ist immer Sozial, zwangsläufig, dass nur Nebenbei..) in Deutschland und die auf einen Schlag vorhandenen Möglichkeiten für Millionen von Menschen sich eine Existenz aufzubauen. Der Wohlstand wuchs, der Staat hielt sich weitgehend aus dem Wirtschaftsleben der Menschen heraus, er sorgte lediglich für den Schutz des Eigentums seiner Bürger, ergo für die innere Sicherheit. Die Verteidigung nach außen lag damals freilich mehrheitlich noch in der Hand der westlichen Siegermächte, dass war natürlich eine komfortable Situation für die Bundesrepublik da auch die Verteidigungsausgaben damit moderat blieben, allerdings setzt schon bald die Wiederaufrüstung ein, dass muss man korrekterweise erwähnen. Trotzdem, nur als Vergleich: Wer Mitte der 50er Jahre ein Unternehmen in Deutschland gründen wollte der benötigte im Schnitt ca. 1 Tag (d.h. realistisch sogar noch weniger!) Zeit für die notwendigen Formalitäten bei den staatlichen Stellen, Heute 60 Jahre später sind es Minimum 5-6 Tage! Und dazu benötigen sie um auf Nummer sicher zu gehen noch einen versierten Steuerberater und am besten auch eine gut aufgestellte Anwaltskanzlei oder Unternehmensberatung. Die freilich alle erst Mal bevor sie überhaupt einen Cent Umsatz gemacht haben von Ihnen bezahlt werden müssen! Und die mittlerweile sinnige Regel von der sog. „Umsatzsteuervorauszahlung“ darf natürlich auch nicht vergessen werden. So kann man jegliches wirtschaftliches Engagement natürlich von vorn herein abwürgen, so erdrosselt man jede auch nur halbwegs funktionierende freie Wirtschaftsordnung! Und nun meine Ausgangsfrage: Wieso haben die Deutschen diese Zeit bereits vergessen? Gerade meine Elterngeneration hat diese Wirtschaftswunderzeit zumindest als Kinder oder Jugendliche voll miterlebt, doch gerade jene sind es die paradoxerweise sich heute mehr den je den Verlockungen des allumfassenden, allumschlingenden und allmächtigen Wohlfahrtstaates hingeben und jede noch so bescheuerte bürokratische Vorschrift sklavisch ausführen. Vielleicht hat es etwas mit Gewohnheit zu tun, man hat das halt schon immer so gemacht, wird schon stimmen und irgendwie passen was da verordnet wird. Ich weiß es nicht, ich hoffe nur das die Leute noch aufwachen bevor sie in einem Land aufwachen das einem immer mehr an Georg Orwells düstere Visionen erinnert denn an ein freies Land wie wir es uns immer gewünscht haben.

Herzlichst Ihr

Michael Sanchez

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