Bundesvorstand der Partei der Vernunft (PDV) tritt zurück -Aktualisiert-

Partei der Vernunft nun am Ende? (Bildquelle: www.parteidervernunft.de)

Partei der Vernunft nun am Ende? (Bildquelle: http://www.parteidervernunft.de)

In einer Mitteilung auf ihrer Homepage vom 09.11.14 teilt die einstmals vom libertären Journalisten und Autor Oliver Janich gegründete Partei der Vernunft mit das praktisch der gesamte Bundesvorstand geschlossen zurück tritt und gleichzeitig auch die Partei verlässt. Meinen Informationen zur Folge ist lediglich ein Bundesvorstandsmitglied bisher zumindest formal noch auf seinem Posten geblieben. Über die Hintergründe des Rücktritts gibt man sich bisher Nebulös und Wortkarg, so heißt es in der Mitteilung zu den Gründen:

„Den Rücktritt begründen die ausgeschiedenen Mitglieder des Bundesvorstandes mit den aus ihrer Sicht in der PDV nicht umsetzbaren, im Grundsatzprogramm niedergelegten, Zielsetzungen, da es an dem als unerlässlich angesehenen, an der Realität und pragmatischem Vorgehen ausgerichteten Umsetzungswillen fehlt.“

Für mich ist das keine klare Aussage sondern ein Satz wo jeder alles hineininterpretieren kann….. Entschuldigung wenn ich einer Partei betrete dann kenne ich doch vorher deren Grundsatzprogramm! Wie kann das dann später als Begründung für meine Austritt herhalten? Und was meinen die zurückgetretenen Bundesvorstandsmitglieder damit das es angeblich an „pragmatischem Vorgehen ausgerichteten Umsetzungswillen fehlt“? Das man sich dem Mainstream nicht genügend gebeugt hat? Das man es mit eben jenem klaren, unmissverständlichen Grundsatzprogramm in einer zutiefst staatsgläubigen und in weiten Teilen gegenüber Freiheit und Selbstverantwortung misstrauisch eingestellten Gesellschaft es nicht so leicht hat Gut anzukommen? Entschuldigung, was haben die denn erwartet? Das man Mitglied, zur Wahl antritt, gewählt wird und dann ist Gut? Wie Naiv und Realitätsfern muss man sein? Sorry, dass nehme ich denen nicht ab! Zumal ich den Mitgliedern des nun ehemaligen Bundesvorstandes allen voran der Vorsitzende Susanne Kablitz wesentlich mehr zugetraut habe! Die Gründe für dieses Desaster müssen also dem zur Folge wo anders liegen.

Für mich ist die Lage mehr als undurchschaubar und alles klingt reichlich verworren. Der einstige Parteigründer Oliver Janich schweigt bisher beharrlich zu den Vorgängen, trotz zahlreichen Anfragen über seinen Facebookaccount bzw. in den dortigen Kommentarspalten äußert er sich nicht dazu. Gleichzeitig biete sich eine libertäre Abspaltung einstiger PDVler die „Libertarian Party Germany“ auf ihrer Facebookseite bereits als neue Heimat für enttäuschte PDV Mitglieder an und schlägt sogar eine Vereinigung der beiden Parteien vor. Was übrigens meiner Meinung nach nicht das dümmste wäre, doch das dürfte momentan in so weiter Ferne liegen wie die Vorstellung das die PDV eines Tages doch im Bundestag sitzt.

Für die ohnehin sehr überschaubare liberal-libertäre Strömung und besonders für jene die sich parteipolitisch engagiert haben ist der Rücktritt des PDV Bundesvorstandes eine bittere Sache. Zumal diese Partei viele sehr engagierte und idealistische Mitglieder hatte und hat die sich aufopferungsvoll für die Verbreitung der libertären Idee eingesetzt haben. Natürlich ist auch mir bekannt das die Partei der Vernunft wie vielleicht alle Neugründungen mit beachtlichen Problemen zu kämpfen hat. Von der chronischen Unterfinanzierung bis hin zu der Sogwirkung die alle neuen Parteien auf Glücksritter, Postenjäger und Politabenteurer ausüben. Doch dachte ich bisher das die PDV sich an für sich gut gehalten hatte. Doch seit der Absetzung des eigenen Gründungsvorsitzenden Oliver Janich ging es mit der gesamten Organisation offenbar noch schneller bergab als man das ursprünglich annehmen konnte. Auf Recentr TV veröffentlichte Alexander Benesch noch gestern einen kurzen Kommentar zum Rücktritt des Bundesvorstandes. Auf Infokrieg TV und nun Recentr TV wurde die Partei jahrlang umfangreich beworben und über sie berichtet. In seinem Kommentar führt Benesch natürlich auf das seiner Meinung nach die unsäglichen Anarchokapitalisten zumindest einen großen Anteil an der negativen Entwicklung der Partei gehabt hätten. Das der Minarchist / Minimalstaatler Alexander Benesch das so sieht war mir klar, doch wie ich bereits in der Vergangenheit geschrieben habe halte ich diesen Streit zwischen sog. Ancaps und Anhängern der Idee einer Minimalstaates für absolut überflüssig und insgesamt Kontraproduktiv. Das stört die Akteure freilich nicht daran sich weiterhin gegenseitig mit teilweise übelster, bösartiger Häme zu bekämpfen. Ich merke an dieser Stelle an das jenes „libertäre Lager“ zahlenmäßig meiner Schätzung nach einige wenige tausend Personen in der Bundesrepublik umfasst. Das sind bei gut 82 Millionen Gesamtbevölkerung ein Anteil von 0,012%… wenn man von 10 000 Libertären ausgeht, was wohl immer noch viel zu hoch angesetzt ist. Wir bewegen uns also im absoluten politisch-gesellschaftlichen Nirwana….. und trotzdem werden hier Gefechte mit einer Leidenschaft und einer Gehässigkeit ausgetragen das Ihresgleichen sucht!

Als Fazit zu den Vorgängen bleibt mir die Erkenntnis das es parteipolitisch gesehen zwei Gewinner geben kann: Zum einen die bereits erwähnte Libertarian Party, so fern sie als echte Partei ernst genommen werden wird, und die altgediente FDP allen voran der libertäre Flügel unter Frank Schäffler. Letzterer ist momentan mehr als nur umtriebig: Er promotet massiv sein neues Buch „Nicht mit unserem Geld“, parallel dazu formiert sich maßgeblichen unter seiner Federführung im gesamten Bundesgebiet die parteiinterne Gruppe „Liberaler Aufbruch“ immer stärker und selbst im Bundesvorstand der Partei sind in den letzten Monaten immer wieder ungewöhnlich klare klassisch-liberale Töne zu hören. Ob das nur Taktik und Propaganda der Bundesführung ist vermag ich als Außenstehender nicht zu beurteilen, Fakt ist jedoch das sich bestimmt einige Interessierte die mit einem Betritt zur PDV geliebäugelt haben sich vielleicht nun doch der FDP zuwenden oder eben sich gleich in die nächste Neupartei (Libertarian Party) stürzen um dort wieder etwas aufzubauen. Auch könnte der restliberale Flügel in der Alternative für Deutschland von den Auflösungserscheinungen bei der Partei der Vernunft profitieren. So fern diese meiner Meinung nach Strukturkonservative Partei es glaubhaft schafft sich für überzeugte Liberale/Libertäre interessant zu machen.

In diesem Sinne

Herzlichst Ihr Michael Sanchez

ERGÄNZUNG: Mittlerweile hat die libertäre Internetplattform freitum.de den Brief zum Rücktritt des Bundesvorstandes in voller Länge veröffentlicht. Außerdem hat sich der Gründungsvorsitzende Oliver Janich auf seinem Blog zu der Thematik ebenfalls geäußert. Auch die nun mehr Ex-Bundesvorsitzende Susanne Kablitz hat sich zwischenzeitlich in einem Interview mit ef-TV auf youtube zu Wort gemeldet. 

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