Sezession -Über den Kleinstaat in den Nichtstaat?

Karte des Deutschen Bundes, 1815–1866. Die viel gescholtene "Kleinstaaterei" war eine Zeit kultureller und wirtschaftlicher Blüte (Bildquelle: Wikipedia)

Karte des Deutschen Bundes, 1815–1866. Die viel gescholtene „Kleinstaaterei“ war eine Zeit kultureller und wirtschaftlicher Blüte (Bildquelle: Wikipedia)

Viele Libertäre und die etwas konsequenter ausgeprägten Anarchokapitalisten befürworten seit je her die Schaffung von möglichsten kleinen staatlichen Gebilden um sie dann schlussendlich vollends aufzulösen und den Weg in eine nichtstaatliche Privatrechtsordnung zu ermöglichen.

Wenn man bedenkt wie sich die heutigen Großstaaten entwickelt haben, von kleinen, zu größeren hin zu noch größeren Flächenverbänden, so wäre diese quasi „Weiterrückentwicklung“ oder „Abwicklung“ an für sich logisch, ich befürchte zwar das es dann innerhalb jener wie auch immer organisierten Kleinstaaten sich dann ebenfalls wieder welch hervortun die jene anderen unterjochen möchten oder „anschließen“, doch haben wir hier einen natürlichen Schutz vor Eroberungsgelüsten einzelner Ministaaten: Die Größe. Wer einen ausgedehnten Krieg führen will oder auch nur einen klassischen Feldzug der benötigt neben entsprechenden Kriegsmaterial auch menschliche Ressourcen und Flächen wo man die kriegsnotwendigen Anlagen errichten und unterhalten kann. In Staatsgebilden die bestenfalls die Größe von Luxemburg oder die einzelner bisheriger Bundesländer haben fällt so etwas schwer bzw. wird unmöglich gemacht. Auch sind solche Kleinstverbünde extrem stark auf den Außenhandel angewiesen, sprich sie haben ein ureigenes Interesse daran mit ihren Nachbar in friedlichem Verhältnis zu leben, andernfalls riskieren sie ihren Wohlstand und damit ihren inneren Frieden. Daran haben auch die wie auch immer im jeweiligen Staat zusammengesetzten Führungseliten ein erhebliches Interesse, so fern es solche überhaupt geben wird in den neuen Kleinstaaten die dann entstehen. Selbst wenn es gelingen würde einen Kriegszug zu organisieren so müssten die Initiatoren damit rechnen bei Verlust oder nur teilweisem Erfolg sich direkt verantworten zu müssen, auch würde ihre Glaubwürdigkeit weg sein und die wirtschaftliche und gesellschaftliche Isolation wären die Nachfolgen, dies käme wiederum einem faktischen „Todesurteil“ gleich. Sprich das persönliche Risiko ist für jeden einzelnen Kriegsbefürworter in solchen Kleinstaaten extrem hoch. Auch müssen wir bedenken das wir allgemein einen ungleich höheren Wohlstand und Lebensstandard an sich hätten, in solch einer Situation Krieg zu fordern würde in der breiten Bevölkerung keinerlei Unterstützung erfahren. Wer Frieden, Freiheit und Wohlstand hat der hat keine Lust darauf das alles für einen Krieg zu riskieren mögen die Versprechungen auch noch so gut klingen, was man hat das hat man würden die meisten denken. Etwas anderes wäre der Verteidigungsfall, sprich wenn ein Kleinstaat von einer äußeren Großmacht attackiert würde so wären die anderen Nachbarstaaten die ebenfalls dieselbe Größe haben geradezu verpflichtet sich zum Schutz dem bedrohten Staat zusammenzuschließen. Schon aus reinem Eigeninteresse heraus, schließlich könnte jeder von Ihnen der nächste sein für eine potentielle Annexion durch die aggressive Macht, daher halte ich Verteidigungsbündnisse diverser Kleinstaaten für eine nächst logische Lösung um sich gegen Bedrohungen von Außen zu schützen.

Die etablierte Politik schürt schon früh die Ängste vor der vermeintlich „katastrophalen Kleinstaaterei“. In den staatlichen  Zwangsschulen wird gelehrt das die Zeit bevor der „eiserne Reichseiniger“ Bismarck das zweite deutsche Reich mit Gewalt, durch einen gemeinsamen Krieg gegen Frankreich schuf, es ein riesiger „Flickenteppich“ an Klein- und Ministaaten in Deutschland gegeben hat die lediglich in einer gemeinsamen Zollunion und durch ein relativ losen Verteidigungspakt miteinander verbunden waren. Es gab unzählige Rechtsordnungen, Währungen und andere, ungleiche Maßstäbe im gesamten deutschen Reichsgebiet. Uns wird das als etwas unglaublich düsteres, schlimmes und schreckliches verkauft. Das jene Zeit auch eine Epoche kultureller und wirtschaftlicher Blüte nach den fürchterlichen Verheerungen der napoleonischen Kriege war wird allerhöchstens in einem Nebensatz kurz erwähnt. Niemand soll irritiert werden oder auf (aus staatlicher Sicht) falsche Gedanken kommen. Es war nämlich unter anderem der Wettbewerb zwischen den einzelnen Staaten und Steuer- bzw. Währungssystemen die dazu führten das es moderate (aus unserer heutigen Sicht unglaublich geringe) Besteuerung gab, die einzelnen Gremien der politischen Macht musste zwangsweise liberal und freizügig bleiben, schließlich bestand die Gefahr das ihnen einfach die Bevölkerung „abhanden“ kam wenn sie es zu bunt trieben. Die Hamburger Bank schuf mit dem Mark Banco eine zu 100% Silber gedeckte Währung, die Entwicklung war wohl auf dem besten Weg hin zu einer idealen, „österreichischen Welt“ (im Sinne der österreichischen Schule der Nationalökonomie), diese wurde leider jäh unterbrochen durch die Reichsgründung und damit einsetzende Zentralisierung des Machtpolitikers Bismarck. Hierzu empfehle ich einen hervorragenden Artikel von Steffen Krug auf der Seite freitum.de, er beschreibt sehr schön die damaligen Zustände. Sie werden bei der Lektüre bemerken wie anders es sich liest als das was man Ihnen bisher so in den staatlichen Lehreinrichtungen beigebracht hat.

Um auf meine Ausgangsüberlegung zurück zu kommen halten wir abschließend fest das der Übergang vom Kleinstaat in den Nichtstaat aus meiner Sicht wohl einer der realistischsten Lösungen darstellt um den Zustand von Zwang und Herrschaft ein für alle Mal zu beenden. Kleinstaaterei führt eben nicht in Chaos und Unordnung oder gar wirtschaftlichem Verfall, eher das Gegenteil. Großstaaten neigen schon aus kaltem Selbsterhaltungstrieb heraus dazu noch größer zu werden. Man sieht das am historischen Beispiel des zweiten deutschen Reiches genauso wie am aktuellen Beispiel der Europäischen Union, auch hier wird die Errichtung eines vereinheitlichten, zentralisierten Superstaates angestrebt und mit allen Mitteln vorangetrieben. Darum gilt unser Widerstand wahrhaftig allen Imperien, egal in welchem noch so freundlichen Denkmäntelchen sie daherkommen mögen, es gibt für uns nur eine einzige, legitime „staatliche“ Einheit: Das menschliche Individuum!

In diesem Sinne

Ihr Michael Sanchez

 

 

 

 

 

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