Anarchie- der „böse“ Begriff -alternative Wortschöpfungen

"Das libertäre Manifest" von Stefan Blankertz, Standard- und Grundlagenwerk für alle die sich der Freiheit verpflichtet fühlen (Bildquelle: Buchausgabe.de)

„Das libertäre Manifest“ von Stefan Blankertz, Standard- und Grundlagenwerk für alle die sich der Freiheit verpflichtet fühlen (Bildquelle: Buchausgabe.de)

In der politischen Debatte wurde das Wort „Anarchie“ in den letzten 100 Jahren leider in einen sehr negativen Zusammenhang gebracht bzw. die Mehrzahl der Menschen assoziieren damit etwas für sie unvorteilhaftes, ja gar etwas bedrohliches.

Ich habe mich bereits in der Vergangenheit in Artikeln auf meinem Blog zum Thema „Anarchie“ geäußert. Heute möchte ich mich der Begrifflichkeit widmen und Möglichkeiten und Ideen aufzeigen wie man das „Unwort“ besser in der gesellschaftspolitischen Diskussion einsetzen kann.

Ich habe in einigen anderen Artikeln anstatt von „Anarchie“ von einer „freien Ordnung“ gesprochen, ich finde diese Bezeichnung hat etwas für jeden sehr Positives, ja, befreiendes. Schließlich sind mir keine Menschen bekannt die es ablehnen würden in einer „freien Ordnung“ zu leben, viele denken gar das sie das ja längst oder schon immer tun würden. Auch die Formulierung „herrschaftsfreie Gesellschaft“ wäre eine Alternative zum leider sehr oft völlig missverstandenem Begriff der „Anarchie“. Denn das bisherige Verständnis vom Wort „Anarchie“ ist das es viele mit Chaos, Gewalt, Unordnung, Gesetzlosigkeit und Verbrechen gleichsetzen. Das ist allerdings eine nicht korrekte Lokalisation dieses Wortes, wie in meinen beiden anderen Artikeln zum Thema einer herrschaftsfreien Gesellschaftsordnung verweise ich auf den Duden, dort steht sehr schön erklärt (was mich wundert…) was es mit diesem Wort auf sich hat:

a. Zustand der Herrschaftslosigkeit, Gesetzlosigkeit; Chaos in rechtlicher, politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher Hinsicht Beispiele einen Staat, die Wirtschaft an den Rand der Anarchie bringen in diesem Land herrscht Anarchie

b. gesellschaftlicher Zustand, in dem eine minimale Gewaltausübung durch Institutionen und maximale Selbstverantwortung des Einzelnen vorherrschen

Unter Punkt a ist der Zustand erklärt wenn der Staat sich ungeordnet und chaotisch, meistens in der Folge von Aufständen, Bürgerkriegen, sonstigen sozialen Unruhen, Putschen etc. pp. auflöst bzw sich in Auflösung befindet. Aus diesem Zustand dürfte auch die sehr negative Assoziation herrühren mit dem wir Heute konfrontiert sind. Die Menschen glauben das Anarchie soviel bedeutet wie etwas: „Jeder kann machen was er will, es herrscht das Recht des Stärkeren, Faustrecht, Gewalt und Chaos brechen spontan aus.“ Hier wäre es treffender von Rechtlosigkeit oder Chaos an sich zu sprechen, nicht von einem Zustand der als „herrschaftsfrei“ bezeichnet wird. Unter Punkt b wird die Auffassung und Ansicht von Libertären klar ausgedruckt, es wird von minimaler Gewaltausübung gesprochen, also einem Minimalstaat im klassischen Sinne. Doch für Anarchokapitalisten ergo Anarchisten ist auch das an für sich ein unbefriedigender Zustand. Schließlich streben sie einen Zustand an in dem überhaupt keine Gewaltausübung oder sonst ein Zwang von irgendwelchen staatlichen Institutionen gegen ein Individuum ausgeübt wird. Von daher ist die Bezeichnung zwar in so fern besser erklärt als das was sich viele Zeitgenossen darunter zusammen reimen, doch die Genauigkeit lässt leider auch hier zu wünschen übrig. Vielleicht dachten sich die Autoren auch das wenn sie etwas von total herrschaftsfreien Ideen reinschreiben sie keiner mehr für Voll nimmt oder man darf auch hier eine Absicht dahinter vermuten. Es ist für viele einfach so unvorstellbar das es möglich wäre ohne einen allmächtigen oder meinetwegen auch weniger mächtigen Staat auszukommen der wie ein großer Schirmherr über allem thront und im Zweifelsfall wie ein wohlmeinender Übervater beherzt eingreift. Diese Vorstellung ist meiner Meinung nach längst auf eine quasi religiöse, metaphysische Ebene übergegangen. Sie wird nicht ernsthaft hinterfragt und darf nicht angezweifelt werden, wer es doch wagt begeht um im religiösen Terminus zu bleiben ein „Sakrileg“.

Darum ist es von großer Bedeutung neue, besser verständliche und nicht voreingenommene Begriffe in die Diskussion einzuführen. Mein persönlicher Favorit wäre der einer „herrschaftsfreien Gesellschaft“, wobei ich denke das „freie Ordnung“ sich wohl am besten liest und auch einen sehr positiven Klang besitzt.

Man sollte den Leuten vermitteln was man konkret unter einer anders geordneten Gesellschaft versteht. Vorallem das eine anarchistische Gesellschaftsordnung keinesfalls „Unordnung“ oder „Chaos“ beinhaltet sondern lediglich eine Ordnung ohne Herrschaft um es mit Proudhon zu sagen darstellt. Es ist die Selbstorganisation der Menschen auf Basis von Freiwilligkeit und Kooperation, nicht von Zwang und Herrschaft. Den Menschen die eigene Freiheit und Verantwortung wieder schmackhaft zu machen und Ihnen verstehen zu geben das dies niemals zu ihrem Nachteil geschehen kann ist wohl die zentrale Aussage aller freiheitlichen Denker der letzten 200 Jahre.

Ich empfehle an dieser Stelle zum besseren Verständnis der Thematik wirklich jedem das Buch von Stefan Blankertz mit dem Titel „Das libertäre Manifest“. Es kann als Grundlagenwerk bezeichnet werden und ist flüssig lesbar geschrieben und hat trotzdem den Anspruch ein wissenschaftliches Gesamtwerk zu sein. Er gib hier eine gut strukturierte und verständliche Übersicht über das Zustande kommen des modernen Staates und dessen von ihm organisierter und dominierter Gesellschaft, und zeigt zugleich auch Auswege und Ideen für besser Alternativen dazu auf.

Mit freiheitlichen Grüßen

Ihr Michael Sanchez

P.S. Sehr zu empfehlen als Seite wo man eine Menge gut zusammengefasster Infos zum Thema Anarchokapitalismus findet ist www.anarcho-kapitalismus.de

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    1. Minimalstaatsprinzip und die Idee der Freiheit | Michael Sanchez Blog

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