Wer ist Alexander Dugin?

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Alexander Geljewitsch Dugin, Vater der „eurasischen Bewegung“ und Putin Berater (Bildquelle: Wikipedia)

In den letzten Wochen und Monaten seit Beginn der Ukraine Krise und der russischen Annexion der Krim taucht gelegentlich auch immer wieder der Name Alexander Dugin auf.

Wer ist dieser ominöse „Berater“ des russischen Präsidenten Putin? Vor kurzem erschien über ihn beim ef Magazin ein sehr aufschlussreicher Artikel von Igor Alexandrowitsch Ryvkin. Ich kann ihn nur wärmsten empfehlen um sich einen groben Überblick darüber zu verschaffen was dieser feine Herr so treibt. Auch bei Recentr TV sind bereits Artikel über Dugin erschienen die ich auch nur wärmsten empfehlen kann. (HIER und HIER)

Mir persönlich ist der Name Dugin bereits vor längerer Zeit schon einmal Bekannt geworden, ich erinnere mich daran das ich von ihm Anfang der 2000er Jahre etwas gelesen hatte was im Zusammenhang mit seiner damals gegründeten „Eurasischen Partei“ stand. Er kreierte damals seine sog. „vierte politische Theorie“ und ich hatte damals kein rechtes Interesse mich damit zu beschäftigen, alleine schon die Ausdrücke und Worte die verwendet wurden lösten eher Kopfschütteln bei mir aus. Ich beachtete es nicht weiter. Als ich nun in letzter Zeit immer wieder den Namen Dugin las und hörte wurde ich hellhörig und ich kann nur jedem empfehlen genau zu recherchieren. Denn dieses Kerlchen hat es in sich.

Ohne mich in endlosen ideologisch verschwurbelten Details zu verlieren kann ich zusammenfassen das Dugins Ideologie eine wahrhaft wahnsinnige Mischung aus Kommunismus, Nationalsozialismus, monarchistischen Ideen, christlichem Fundamentalismus und allerlei esoterischen Strömungen und sogar teilweise islamischen Einflüssen ist! Sie meinen das sind doch Widersprüche? Nicht für Alexander Dugin….er zieht aus allen Bereichen seiner Meinung nach „das Beste“ heraus, vermengt das mit einer gehörigen Portion Antimodernismus, Antiliberalismus und einer „mystisch“ geprägten Rasseideologie. Kleine Kostprobe gefällig? Gerne:

Die Vierte Politische Theorie soll die Mittel und Begriffe der Moderne gegen sie anwenden, um gegenüber der Kommerzialisierung eine Rückkehr der kulturellen Vielfalt, der traditionellen Weltanschauungen aller Völker der Welt zu zeitigen – und das in einem völlig neuen Kontext. Geschrieben von einem Wissenschaftler, der die Ausrichtung heutiger russischer Geopolitik aktiv beinflußt, ist Die Vierte Politische Theorie eine Einführung in eine Idee, die die politische Zukunft der Welt verändern könnte.

Mit Verlaub, mir ist unschlüssig was Herr Dugin mit solchen Worten ausdrücken möchte. Es erinnert alles in allem doch sehr an das verkomplizierte und fürchterlich intellektuell daherkommende Dialektik des traditionellen Marxismus. Der letzte Absatz kann einem dann vielleicht auch erklären wie sich das aktuelle Russland in der Ukraine und Krim Krise verhält. Folgende Punkte haben sämtliche Anschauungen, Religionen und Theorien gemein die sich Dugin zusammengwürfelt hat:

  • Der Antimodernismus, die Moderne ist doof, früher war es doch letztendlich besser!
  • Fortschrittsfeindlichkeit, gepaart mit dubioser Technikfeindlichkeit, obwohl man freilich nie davor zurückschreckt für seine eigenen Propagandaverbreitung diese zu nutzen.
  • Frauenfeindlichkeit. Frauen spielen bei jenen Anschauungen mehrheitlich eine untergeordnete Rolle. Diese haben lediglich die Funktion Nachwuchs zu „produzieren“, was sie sonst zu tun und zu lassen haben bestimmt der Mann.
  • Kollektivismus. Der Einzelne zählt in der Gemeinschaft nichts oder nicht viel. Einer muss sich immer den anderen unterordnen. Du bist nichts, Deine Gemeinschaft ist alles!
  • Obrigkeitstreue und unfreiheitliche autoritäre Strukturen zeichnen alle genannten Anschauungen / Glaubensrichtungen aus bzw. beinhalten diese in ihrem Kern. Getreu nach dem Motto: Die Führer da oben werden schon wissen was sie machen und wieso sie uns was vorschreiben.
  • Prüder Moralismus. Es wird von den Gläubigen ein Verhalten erwartet das in den jeweiligen, rigorosen Sitten- und Moralkodex passt. Alle die da nicht reinpassen können oder wollen sind „abartig“ und letztendlich zum Abschuss freigegeben. Sie werden zumindest umgehend aus der jeweils „ehernen Gemeinschaft“ ausgeschlossen und als Aussätzige behandelt.
  • Leugnung bzw. Verachtung des Individuums und der angeborenen Naturrechte jedes einzelnen Menschen. Es wird von den genannten Anschauung zumindest in Zweifel gezogen das jeder Mensch von Geburt an dieselben Rechte hat. Auch hier greift wieder das kollektivistisch Prinzip das die jeweils „Ungläubigen“ von Beginn an auf einer niedrigeren Stufe stehen als die „Gläubigen“. Grundlagen der westlichen Zivilisationen wie die allgemeinen Menschenrechte oder eben die individuellen Freiheitsrechte werden als etwas Verachtenswertes dargestellt.

Das sind nur die Kernpunkte die Dugin in seiner Kruden Theorie aus allen möglichen Weltanschauungen und Religionen zusammenzimmert. Er verteufelt in vielen Artikeln, Fernsehbeiträgen, Blogs etc. den so verhassten „westlichen Kommerz“ und predigt eine obskure Markt- und Unternehmerfeindlichkeit, will nicht anerkennen das ohne Freie Märkte und ohne Unternehmen kein Wohlstand zu erschaffen sind und es so auch keine freie Menschen geben kann. Vielmehr haben alle Firmen den „sozialen Bedürfnissen“ der Menschen zu dienen, was das genau sein soll und wie das umgesetzt wird bestimmen dann ideologisch verblendete Bürokraten a la Dugin. Mann kann sich gut vorstellen was dabei herauskommt. Ein Blick in die Geschichtsbücher genügt, ob das sozialistische dritte Reich, die Sowjetunion oder die DDR, solche Vorstellung sind immer gescheitert, egal wie man es anstellte. Und es zerstörte grundsätzlich immer die Freiheit und letztendlich das Leben von Millionen Menschen. Doch das alles scheint Dugin fremd zu sein, mit langem Bart und ernster Miene spielt er öffentlichkeitswirksam den neuen Rasputin und träumt von einem russisch dominierten „Großeurasischem Reich“ von Wladiwostok bis an den Atlanktik. Damit das auch klappt umwerben russische Propagandaspezialisten schon seit längerem nicht nur traditionell linke Gruppen sondern besonders sämtliche konservativ bis hin zu klar rechtsaußen stehende Verbindungen. Man gibt ihnen bspw. über den international ausgestrahlten, mehrsprachig auftretenden Sender „Russia Today“ eine Medienplattform oder organisiert Konferenzen wie beispielsweise vor einiger Zeit in Wien. Dort treffen sich dann illustre Gestalten vom Schlage eines H.C. Strache (Österreich / FPÖ) oder der französischen Europawahlsiegerin Marion Maréchal-Le Pen (Frankreich / Front National) zum geheimen Plausch mit Meister Dugin höchst persönlich. Interessant zu lesen wer laut dem „Tagesanzeiger“ so auf der Konferenz insgesamt zu Gast war:

Gastgeber der Wiener Tagung waren der russische Oligarch Konstantin Malofeew und seine Stiftung Sankt Basilius der Grosse. Malofeew moderierte auch die Veranstaltung. Weitere Gäste aus Russland waren der Chefideologe der Eurasischen Bewegung, Alexander Dugin, sowie der bekannte nationalistische Maler Ilja Glasunow. Aus Frankreich kamen die Abgeordneten des Front National, Marion Maréchal-Le Pen (Enkelin des Parteigründers und Nichte von Marine Le Pen) sowie der Historiker Aymeric Chauprade. Aus Spanien reiste Prinz Sixtus Henri von Bourbon-Parma an, Anführer der katholisch-monarchistischen Carlisten-Bewegung, aus der Schweiz Serge de Pahlen, Direktor eines Genfer Finanzunternehmens und Ehemann der Fiat-Erbin Margherita Agnelli de Pahlen. Aus Österreich nahmen der Vorsitzende der rechtspopulistischen FPÖ, Heinz-Christian Strache, sein Stellvertreter Johann Gudenus und der Wiener FPÖ-Politiker Johann Herzog teil, aus Bulgarien der Vorsitzende und Gründer der rechtsextremen Partei Ataka, Wolen Siderow. Weiter anwesend waren Rechtsextremisten aus Kroatien, Adelige aus Georgien und Russland sowie ein katholischer Priester.

Eine wahrhaft bemerkenswerte Gästeauswahl also, sie alle eint offensichtlich die Begeisterung für die aus Sicht eines Menschen der im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte ist wahrhaft verstörende Idee eines wie auch immer gearteten „eurasischen Reiches“. Oder man hegte vielleicht auch einfach nur Sympathie mit dem Priester dieser immer mehr aufkommenden Politreligion a la „Eurasien“.

Das in der Geschichte der Menschheit sämtliche Großmachts- und Großreichspläne immer in blutigen Unterfangen und unglaublichen Tyranneien endeten scheint solchen Leuten entweder nicht Bekannt zu sein oder sie nehmen es billigend in Kauf oder wollen genau das. Freilich mit der kindlichen Vorstellung das sie dann „auf der richtigen Seite“ sind und als neue Herren und eine Art neuer Adel über ein gigantisches, eurasisches Imperium bestimmen während die anderen für sie als Sklaven schuften und zahlen dürfen. Und die selbsternannten ach so erhabenen Führer in ihren Schlössern und Villen an der Bewusstseinserweiterung des „neuen Menschen“ feilen….so oder ähnlich dürften die feuchten Träumer der Eurasier aussehen. Ich persönlich glaube das sie über lang oder kurz damit uralten, russischen Eroberungsplänen in die Hände spielen. Und damit meine ich die Pläne jener korrupten, psychopathischen und machtgeilen Oligarchen Elite die das eigene russische Volk ausbeutet und knechtet und schon immer danach gedürstet hat diese Herrschaft auf den gesamten europäischen Kontinent auszudehnen.

Natürlich ist auch mir bewusst das derzeit die US-Amerikaner und ihre Verbündeten (die ja auch noch ganz real physisch mit Truppen in Deutschland und Europa präsent sind) uns immer noch bevormunden und wie wir spätestens seit dem NSA Skandal wissen auch rotzfrech aushorchen und überwachen. Doch wie eine am Stockholm-Syndrom Erkrankter den einen Beherrscher einfach durch einen neuen zu ersetzen kommt mir dabei sicherlich nicht in den Sinn! Ich würde mir wünschen wenn gar keiner von jemanden anderen beherrscht wird als von sich selbst, wie wäre es damit? Eine Welt voller souveräner Individuen mit gleichen Rechten, ich träume meinen Sie? Nun, ich nenne das Visionen, ohne sie stirbt die Welt.

In diesem Sinne

Ihr Michael Sanchez

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