Gedanken zur Freiheit, persönliche Ansichten

Die Freiheitsstatue, Symbol der Freiheit schlechthin (Bildquelle: Wikipedia)

Die Freiheitsstatue, Symbol der Freiheit schlechthin (Bildquelle: Wikipedia)

Vielleicht werden sich einige Menschen die meinen Blog regelmäßig lesen fragen wie ich persönlich Anspruch und Wirklichkeit miteinander vereine. Ich beziehe das explizit auf die politische Arena, wo ich zwar felsenfest von diversen anarchokapitalistischen Ideen überzeugt bin, jedoch mir (so glaube ich zumindest..) soviel politischen Realitätssinn bewahrt habe der mir klar macht das vieles von dem was zwar theoretisch, ja sogar völlig logisch und in sich stringent belegbar ist, in der Praxis dann jedoch leider scheitert bzw. nicht angewandt werden kann.

Das liegt meiner Ansicht nach vor allem daran das viele anarchokapitalistische oder libertäre Theoretiker zwar stets um größtmögliche Rationalität bemüht sind und versuchen zu vermeiden in all zu ideologische Argumentation abzugleiten, jedoch dann an den Empfängern ihrer Botschaften scheitern, den einfachen Menschen. Die sind sehr oft unrealistisch, egozentrisch, irrational, engstirnig, fanatisch, leiden an zahllosen psychischen Defekten und Verhaltensstörungen, es sind viele Faktoren die es in gewissen Umfang dann einfach Unmöglich machen ihnen zu vermitteln was man den an für sich Gutes für sie wolle bzw. ihnen klar zu machen das sie selbst ihr Leben gestalten können und nur sie selbst sich glücklich machen können! Die klare Botschaft all der zahllosen freiheitlichen Denker ist es doch das jeder Mensch seines eigenen Glückes Schmied ist. Doch offenbar überfordert diese simple Erkenntnis schon die meisten Gemüter. Und genau damit haben sie alle zu kämpfen, meiner Meinung nach ist das ein sehr großes Vermittlungsproblem. Stellen Sie sich das vielleicht in etwa so vor: Sie versuchen einem Menschen etwas zu erklären der garnicht ihre Sprache spricht. Sie meinen es überhaupt nicht böse mit jenem, doch der wird immer unsicherer je aufdringlicher die verzweifelten Erklärungsversuche ihrerseits werden. Schließlich glaubt er irrigerweise das sie vielleicht ihm sogar etwas Schlechtes wollen. Stellen Sie sich das so vor wie wenn ein Schwabe versucht einem Berliner etwas zu erklären, dass sind zwar verwandte Sprachen aber eben weiß Gott nicht die gleichen 🙂 Sie nuscheln also in ihrem verquassteten schwäbischen Dialekt etwas daher und der Berliner wird immer nervöser, er versteht immer wieder einzelne Wörter aber es erschließt sich ihm nicht was sie denn für Bahnbrechende Erkenntnisse haben. Das hört sich dann so an: „Den Mieses, denn musch lese, woisch wen i moin? Individuelle Freiheit geht oifach über alles andere doa und so? Woisch? Verstohsch Du? Der Staat, des isch de wahre Gängschter do, wir san nur die Opfer von dem und dürfe uns net mole wehre.“ Sie können sich nun den verzweifelten Gesichtsausdruck des Berliner vorstellen…so gesehen sind libertäre Theoretiker die Schwaben unter den Intellektuellen. Gute Absichten aber keiner versteht sie….

Doch Spaß beiseite 🙂 es ist nicht nur das Vermittlungsproblem, es ist auch ein massenpsychologisches und pädagogisches, ja Erziehungsproblem. Uns wird von Klein auf eingetrichtert das der Staat per se Gut sei, dass er immer schon da war und ohne den die Sonne vom Himmel fallen würde. Freilich wurde bzw. wird das bei uns im „Westen“ das nicht so offensichtlich und plump gemacht wie beispielsweise in den einstigen kommunistischen Diktaturen des Ostblocks wo es ganz offenkundig war das der Staat die Bürger von der Geburt an unter seine Obhut nahm um sie nach seinen Anforderungen zu „formen“. Daher auch die Tagesgrippen in denen schon Kleinstkinder „abgegeben“ werden konnten. Doch auch bei uns wird jedem zu erst ein Mal beigebracht auf den Staat zu vertrauen, erst danach auf sich selbst, seine Familie, seine Freunde oder ähnliches. Denn er gibt ja „den Rahmen“ für alles im Leben vor. Sprich anstatt Selbstvertrauen und eigenen Fähigkeiten von Anfang an zu fördern wird auf etwas fremdes gesetzt, den Staat. Wir sind es von Kindesbeinen an gewöhnt das der Staat „da ist“. Wir können uns nicht vorstellen was wäre wenn er nicht da ist, im Guten wie im Bösen Sinne. Das sitzt bei der Masse tiefenpsychologisch verankert fest. Daher gibt es hier auch immer wieder Abwehrreaktionen die man bestenfalls als unlogisch erklären kann, sie resultieren meiner Auffassung nach größtenteils aus dem beschriebenen Phänomen. Einige fundamental Voluntaristen sprechen hier von Gehirnwäsche und gezielter Manipulation. Selbst wenn man solche harten Worte als übertrieben ansieht kommt man nicht drum herum zugeben zu müssen das sie mit den beschrieben Zuständen richtig liegen.

Aus diesen Erkenntnisse habe ich für mich den Rückschluss gezogen das die Ziele, Vorstellungen, ja, meinetwegen Ideale all der wirklich grandiosen, voluntaristischen, libertären und freiheitlichen Denker insgesamt zwar sehr erstrebenswert sind, sie jedoch (wie es sinngemäß Roland Baader einst ausdrückte) eher als Leuchttürme zu sehen sind die einem die Orientierung vorgeben. Da libertäre Denker es sich grundsätzlich verbitten riesige Zukunftsvorhersagen zu treffen finde ich diese Vorstellung an für sich sehr realistisch und vernünftig. Darum habe ich bisher auch darauf verzichtet in einseitiges Parteien Bashing zu verfallen und jede Art von politischer Aktivität (wie es die fundamental Voluntaristen/Anarchokapitalisten gerne tun) als etwas Schlechtes anzuprangern. Natürlich bin ich der inneren Überzeugung das so wenig Politik wie möglich bzw. nötig immer noch die Beste ist. Auch das der Staat keinesfalls als „Überlebensnotwendige Größe“ angesehen werden soll. Doch bleibt mir eben die abschließende Erkenntnis das Theorie und Praxis (und möge die Theorie auch noch so logisch und stringent und unmissverständlich sein) nach wie vor zwei verschiedene Dinge sind. Sie in Einklang zu bringen ist die große Kunst menschlichen Lebens überhaupt. Das gilt das erst recht auch für die Politik.

Darum habe ich vor Leuten wie Frank Schäffler, Susanne Kablitz oder Oliver Janich auch großen Respekt. Sie haben sich direkt ins parteipolitische Gewühl gestürzt auch auf die Gefahr hin hier Federn zu lassen. Frank Schäffler kämpft in einer Partei deren liberale Grundsätze immer wieder oder besser immer mehr erschüttert werden jeden Tag aufs Neue um die Deutungshoheit und glaubt unverdrossen an eine liberale Zukunft seiner Partei. Susanne Kablitz kam als Quereinsteigerin in eine Situation wo sie bequemer weise sich nicht zur Vorsitzenden einer libertären Kleinstpartei wählen hätte lassen können, doch sie nahm die Verantwortung an und macht seither dort einen fabelhaften Job. Obwohl auch Sie damit rechnen muss künftig bei ihrer normalen beruflichen Karriere Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Oliver Janich gründete als durchaus angesehener Journalist von Focus Money und anderen Mainstreamblättern die Partei der Vernunft und setzte damit all sein Ansehen, sein Auskommen, aufs Spiel. Er glaubte das es anders nicht geht. Dabei hätte und hat ein Oliver Janich sicherlich die geistigen Kapazitäten um auch anderweitig „Karriere und Geld zu machen“. Doch er stieg unerschrocken in den parteipolitischen Ring weil er hierin die einzige Möglichkeit sah eine (wenn auch vorerst minimale) politische und gesellschaftliche Veränderung herbei zu führen.

Diesen Leuten ist eins gemeinsam: Mut! Etwas wo uns Heutzutage in fast jedem Bereich immer häufiger fehlt. Und leider ziehen sich viele Libertäre auf die sehr komfortable Situation zurück demnach jegliche politische Aktivität ja grundsätzlich schon fast an „Körperverletzung“ gegenüber seinen Mitmenschen grenze. Freilich, folgt man deren Argumentation dann sind bspw. auch Wahlen eine Anmaßung über andere zu bestimmen, da immer die Mehrheit entscheidet, notfalls auch gegen den Willen des Einzelnen. Das ist wenn man es so sieht natürlich eine Missachtung der individuellen Freiheit des Individuums, doch was hat solch ein konsequentes Verweigern für Folgen? Man überlässt das Spielfeld all jenen die noch mehr Staat, noch weniger Freiheit, noch mehr Regulierung, Bürokratie und Überwachung fordern! Die sind nämlich sehr beherzt politisch aktiv und die machen knüppelhart da draußen ihre politische Arbeit während sich viele Libertäre in ihren intellektuellen Elfenbeinturm zurückziehen und schmollend über die Welt da draußen philosophieren. Ist das die Lösung? Wird dadurch die reale Situation besser? Gewiss nicht lieber Leser! Darum halte ich es für dringend notwendig das sich freiheitlich gesinnte Menschen eben sehr wohl auch politisch zu Wort melden. Und das in möglichst breiter Form. Ob in Studentenvereinigungen wie den Students for Liberty oder in diversen Parteien, Stiftungen oder anderen politischen Vorfeldorganisationen, aber auch im Bereich alternativer Medien sollten Libertäre sich eindringlich und klar äußern und einbringen. Denn wenn wir es nicht tun werden es die Gegner der Freiheit garantiert tun bzw. sie tun es bereits. Überall und beinahe Penetrant werben die Sozialisten aller Lager permanent für die Zustimmung zu ihren obskuren Ideen. Überall wo sich ihnen eine Plattform bietet agieren sie ungehemmt drauf los, während sich die Freiheitlichen in ideologischen Selbstzerfleischungsdebatten und Hinterzimmerdiskussionsrunden um ihre eigene Bedeutung bringen.

Ich möchte abschließend keinen universellen Rat abgeben der dann den garantierten Erfolg bringt, den gibt es nämlich nicht. Ich bin kein intellektueller Guru der Ihnen die „schöne Welt“ mit wenigen Worten verspricht zu bringen, doch ich möchte Sie werte Leserschaft dazu animieren selbst aktiv werden. Egal ob Sie das innerhalb von Parteien wie FDP, PDV, die bald sich gründende Libertarian Party Germany oder in Organisationen wie den Students for Liberty oder in diversen Stiftungen oder meinetwegen in Zirkeln wie der von den Machern von Freiwillig Frei oder auch in Medienprojekten wie den Sons of Libertas tun. Jeder kann etwas für die Freiheit tun. Ganz in seinem Rahmen und mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten kann jeder etwas dazu beitragen das die Flamme der Freiheit nicht sehr bald erlischt und wir hier in Europa eine neues, dunkles Zeitalter erleben. Denn denken Sie immer daran: Wenn die Verteidiger der Freiheit schweigen, aufgegeben haben, dann brauchen ihre Gegner nur noch abwarten und haben dadurch schon gewonnen. Denn uns läuft die Zeit davon, die Sanduhr der Freiheit läuft in Deutschland und Europa jeden Tag ein Stückchen mehr aus. Sich intellektuell einzugraben und von der Wirklichkeit abzuschotten halte ich für eine gefährliche Tendenz.

In diesem Sinne

Ihr Michael Sanchez

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3 Kommentare

  1. Es gibt zwei Sorten richtig freier Menschen auf dieser Welt. Einmal wir hier unten, die wir uns nicht in unsere Köpfe hinein regieren lassen (Religion, Klimareligion, Apokalyptische Phantasien, Sozialismus, …) und die Menschen ‚ganz oben‘, die in ihrer persönlichen Freiheit bestimmen, was ‚die da unten‘ zu tun und zu lassen haben. Die Masse dazwischen will nicht wirklich frei sein und spielt den Wasserträger und Welterklärer und betet zu Göttern, Klimagöttern und sozialistischen Gurus. Solange mir die Oberchefs aber noch genug Geld und Freiheit übrig lassen, dass ich ein weitgehend freies Leben führen kann und mir keiner meine Duschbrause auf EU-Konformität untersucht, lasse auch ich sie in Frieden. Vermutlich ist dies etwas kurzsichtig.
    Doch der Staat ist ausgesprochen faul und kontrolliert seine Vorschriften nicht mehr. Solange die Zecken im Staat auf meine Steuern angewiesen sind, wird er mir wohl nichts tun. So hoffe ich zumindest.

    • Hallo Herr Lüning,

      vielen Dank für Ihr Kommentar auf meinem Blog. Ich gebe Ihnen in der Hinsicht Recht das selbst die herrschende Bürokratenklasse es immer weniger vermag ihren eigenen Regeldschungel letztendlich auch vollständig zu kontrollieren, doch öffnet das wiederum staatlicher Willkür (Jeder verstößt immer gegen irgendeine der unzähligen Regeln und Gesetze!) die Tür. Das sollten wir nicht zulassen als Menschen die frei sein wollen. Wir müssen auch berücksichtigen welche technischen Möglichkeiten dem Staatsapparat und seinen Vollstreckern mittlerweile zur Verfügung stehen, dass macht die Sache zusätzlich Brisant.

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  1. Der Staat, dass Recht und die Sicherheit-”Pflicht” zum “Schutz” der Bürger?   | Michael Sanchez Blog

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