Die Propagandaschlacht um die Ukraine und wieso Kleinstaaterei Gut ist

Krisenherd Ukraine (Bildquelle: Wikipedia) Die Gemüter erhitzen sich immer heftiger. Während die westliche Mainstream Presse in ein dumpfes, einseitiges „Russland-ist-Scheiße“ Bild verfällt greifen die östlichen Mainstream Medien in die „US-Imperialisten-sind-Faschisten-und-an-allem Schuld“ Schublade. Es könnte für vernünftige Menschen nicht verzwickter sein als zur Zeit.

Meiner Meinung nach versucht man uns bewusst dazu zu bringen einseitig Stellung zu beziehen für die eine oder eben die andere Seite, es soll um jeden Preis vermieden werden das andere Positionen überhaupt einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden. Und wer sich auf die sog. „alternativen Medien“ verlässt wird ein unüberschaubares Gewirr vorfinden. Die tendenzielle Mehrheit feiert Putin & Co. als Befreier und Glücksbringer, die anderen attackieren das russischen Vorgehen als völkerrechtswidrigen Akt und unterstellen Putin eine geradezu klassische Großmachtspolitik wie man sie eigentlich nur aus dem 19. Jahrhundert kannte. Das Schlimme daran ist für mich das beide Seiten Recht haben bzw. beide hier richtige Erkenntnisse mit blanker Propaganda vermengen. Viele fühlen sich offenbar so sehr an die Wand gedrängt und meinen nun sich für die eine oder andere Räuberbande entscheiden zu müssen. Das wir es hier  mit einem geopolitischen Phänomen zu tun haben das ohne die Existenz solcher Großstaatsgebilde überhaupt nicht möglich wäre wird völlig unterschlagen bzw. ist der Mehrheit überhaupt nicht bekannt.

Ich empfinde es persönlich sehr erniedrigend unter einer US-EU Hegemonie leben zu müssen die sich in alle möglichen Bereiche meines Lebens einmischt und immer dreister hier einen Überwachungsstaat zusammen zimmert, anderseits möchte ich sicherlich nicht das nun einfach gegen die russische Tyrannei eintauschen, nur weil die „anders“ sind. Danke, mein Gehirn ist noch nicht weich genug um mich solch einer skurrilen Pseudologik zu unterwerfen. Nur weil gerade die Pest Oberwasser hat werde ich nicht anfangen die Cholera zu unterstützen! Irrsinn mit Wahnsinn zu bekämpfen hat der Menschheit bisher immer nur noch mehr Verderben gebracht als das es irgendeine Krise zufrieden stellend gelöst hätte.

Ich habe bereits vor einiger Zeit auf meinem Blog erklärt wie ich grundsätzlich zum Thema Russland stehe. Auch habe ich immer deutlich gemacht das ich zwischen der US-Regierung und der Bevölkerung unterscheide, die letztendlich auch Opfer ihrer Regierung ist, sowie übrigens auch das in Russland der Fall ist. (bzw. wohl in allen Ländern wo Regierungen im herkömmlichen Sinne die Macht an sich gerissen haben)

Die Ukraine ist derzeit das Schachbrett der Weltpolitik, hier entscheiden sich im Moment geopolitische Zukunftsbilder, es geht keiner Seite darum das die betroffene Bevölkerung in der Ostukraine, der Westukraine oder der Krim es irgendwie „besser hat“! Es geht hier um pure Machtpolitik wie sie traditionell nur Großstaaten betreiben, mehr nicht. Das die betroffenen Völker es unter der einen Knute eventuell etwas besser haben als unter der anderen tut letztendlich nichts zur Sache, den Verantwortlichen ist das herzlich egal. Wer sich hier Illusionen hingibt das es da wirkliche Unterschiebe gäbe der tut mir leid, besonders wenn er an für sich ein Konsument alternativer Medien ist.

Auch für mich höchst interessant ist das es im gegenwärtigen Konflikt keine einzige ernst zu nehmende liberale oder gar libertäre Stimme gibt die sich nicht auf die eine oder andere Seite schlägt. Dabei müsste man ja denken das Forderungen beispielsweise nach einer neutralen Ukraine oder eine regionalisierten, meinetwegen auch aufgespaltenen Ukraine laut werden müssten, doch nichts dergleichen hört man von dieser Seite. Im Gegenteil, es ist zu beobachten wie viele Liberale/Libertäre nun meinen sich genau wie das restliche Mainstream Publikum auf die eine oder andere Seite schlagen zu müssen. Das man dabei zwangsläufig in logische Widersprüche zu seinen an für sich vertretenen liberalen oder libertären Grundsätzen gerät ist vielen entweder egal oder es dämmert ihnen erst später. Natürlich mögen einige hier nun einwenden: Ja, aber man „muss“ sich ja „pragmatisch“ für die Russen oder die USA/Ukraine entscheiden, quasi aus strategischem Kalkül heraus. Darum kommt es dann zu solch wundersamen Auswüchsen wie etwa die das bspw. der bekannte libertäre Autor des ef Magazins Axel B. C. Krauss auf seiner Facebook Seite wüste Beschimpfungen gegen den Minimalstaatler und Betreiber von Recentr TV Alexander Benesch losfeuern und man sich gegenseitig beschuldigt der einen oder anderen Seite in diesem Konflikt zu zuneigen. Es brechen in dieser Debatte offenkundig Gräben auf die schon sehr lange vorhanden waren aber im Zuge jenes polarisierenden Konfliktes nun offen zu Tage treten.

Ich halte solcherlei Vorgängen in so fern als höchst bedenklich weil ich einfach nicht glaube das uns das insgesamt voran bringt oder damit auch nur eine einzige schmutzige Aktion des Establishments aufgehalten oder beeinträchtigt wird. Im Gegenteil, der Selbstzerfleischungsprozess geht weiter, vielleicht auch ein reinigender Prozess, ich weiß es nicht, jedenfalls begünstigt es das Establishment hüben wie drüben. Mir erscheint einfach auch der Moment dafür sehr ungeschickt, denn die knallharte Machtpolitik der Großmächte hält das nicht im geringsten auf, die steuern unbarmherzig auf einen „heißen“ Konflikt mitten im Herzen Europas zu.

Abschließend möchte ich diesen Konflikt als Beweis dafür anführen das solche machtpolitischen Exzesse immer das Werk von Großflächenstaaten sind, von Großstaaten die entsprechend strukturiert und organisiert sind und über ein beträchtliches Potential zur langwierigen Konflikt- und Kriegführung verfügen. Ich kann mittlerweile Anarchisten sehr gut verstehen wenn sie die Staaten an sich als Hauptursache für das Leid in unserer Welt allgemein sehen, vorallem der moderne Verwaltungsstaat mit seinen alles umschließenden Tentakeln und einer politischen Herrscherkaste die unbarmherziger den je gegen die friedfertigen Interessen ihrer eigenen Bevölkerung regiert. Stellen Sie sich ein zersplittertes Europa vor, glauben Sie wirklich ein Staat von der Fläche Luxemburgs könnte einen endlosen, blutigen Krieg gegen den Nachbarstaat führen der vielleicht kaum größer wäre als er selbst? Zumal Kleinstaaten stets auf Handel angewiesen sind, schon alleine aus geographischen Gründen nicht alles selbst herstellen können, sprich gezwungen sind sich miteinander zu vertragen.

Von daher müsste dieser Konflikt eigentlich einmal mehr aufzeigen das jenes Zeitalter der Großreiche moralisch längst ausgedient hat. Ich plädiere für ein neues Zeitalter der Zersplitterung, dass böse Wort wo linke wie rechte Staatsvergötterer so hässlich finden. Ein Zeitalter der Kleinstaaten, der Vielfältigkeit und der Dynamik. Vielleicht sind die momentanen Vorgänge auch die lauten Nachwehen eines Zeitalters, einer Politik die sich längst selbst überlebt hat.

In diesem Sinne

Ihr Michael Sanchez

P. S. Hier der Link zu einem wirklich sehr ausgewogenen Artikel auf der Website des ef-Magazin

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Ein Kommentar

  1. In dem Punkt, dass auf beiden Seiten mediale Propaganda betrieben wird, stimme ich Ihnen zu. Doch Sie sollten die beiden Seiten der Berichterstattung nicht vermengen und beides als unbegründet abtun. In der Ukraine nehmen zur Zeit tatsächlich rechte Kräfte an Oberhand. Und mir reicht schon ein Herr Tjahnybok und seine Äußerungen aus um zu behaupten, dass diese Regierung wohl alles andere als demokratisch ist. Natürlich sind nicht alle Menschen auf dem Maidan rechts. Doch der sog. „Rechte Sektor“ scheint genug stark zu sein um ernst die Lage im Land beeinflusse zu können. Insoweit ist die „Alles-Faschisten“-Propaganda durchaus begründet.
    Die westliche Kriegshetze scheint mir dagegen absolut unangebracht zu sein. Mal das Völkerrecht bei Seite gelegt: alles was bis jetzt von russischen „Agressor“ ausgegangen ( und ich hoffe sehr das es so bleibt!) ist, sind ein paar Warnschüsse. Nicht mehr. Aber für viele reicht das aus um Russland einen Dritten Weltkrieg zu erklären.

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