Die Zivilisationskritiker der FAZ

Unheimliche Technik für FAZ Autoren (Bildquelle: Wikipedia) Da reibt man sich beinahe verwundert die Augen. Gestern wurde bei faz.net ein Artikel veröffentlicht der den wenig zurückhaltenden Titel trägt: „Das Ende der Menschheit“.

Nun, zum einen, wenn erst die FAZ uns mitteilen muss was oder wann das Ende der Menschheit eintritt dürfte es wohl eh längst zu spät sein. Zum anderen ist es witzig wie eine Zeitung die zwar seit je her eher „Konservativ“ war, sich jedoch eigentlich dem Fortschritt verpflichtet fühlte, nun in an für sich traditionell linke Zivilisationskritik verfällt. Freilich werden nun der Schreiber der FAZ widersprechen und meinen das es sich ja nur um die Kritik an bedenklichen Entwicklungen hält, dass sei ja an für sich Konservativ. Es geht in dem Artikel um den Flughafen von Toronto wo ein komplett digitalisiertes Bestell-System in einem Restaurant den Unmut des Autors auf sich zieht. Er beklagt das dort die zwischenmenschliche Kommunikation völlig abhanden komme, bedauert soziale Kontaktknüpfung und erinnert sich romantisch an die angeblich viel besseren, früheren Zeiten wo es keine iPad´s, Smartphone´s und vor allem ganz wichtig, kein Internet gab! Vielleicht gehört er zu jenem kleinen Personenkreis den die glorreichste Kanzlerin aller Zeiten in ihrer fulminanten Ansprache meinte wenn sie vom Internet als „Neuland“ sprach. Ich weiß auch nicht in welcher Gemütsverfassung der werte Herr Jakob Strobel y Serra diesen Artikel verfasst hat, aber wenn in seinem Artikel von iPad Nutzern als „Autist“ schwadroniert und damit gleich zwei Personengruppen grundlos derart angreift dann mache ich mir da so meine Gedanken…..

Ist es vielleicht für ihn selbst einfach nur nicht nachvollziehbar das jene Generation zu denen er jeden zählt der da „ständig auf seinem Smartphone oder iPad herumdaddelt“ ja in diesem Moment vielleicht kommuniziert? Eben auf eine Art- und Weise die ihm deshalb unbekannt ist weil er sie aus seiner Sozialisationszeit nicht kennt? Herr Strobel y Serra, es ist noch nicht zu spät! Da können wir noch was machen, sollen wir Ihnen erklären wie das „herumdaddeln“ auf einem iPad funktioniert? Ihnen zeigen wozu so ein Ding Namens Smartphone alles im Stande ist? Man kann sein Leben lang noch dazu lernen!

Ich lese und höre diesen völlig hirnverbrannten und an der Wirklichkeit vorbeigehenden Vorwurf leider immer wieder. Es wird zwanghaft behauptet das die „heutige Generation“ (wozu jene wahrscheinliche alle zählen die mehr als fünf Jahre jünger sind als sie selbst..) ja garnicht mehr richtig miteinander redet bzw. ja, an für sich „digitale Autisten“ seien. Liebe Nölbacken, vielleicht Mal auf den genialen Gedanken gekommen das „diese Generation“ in einer Minute mit ihren Mitmenschen mehr kommuniziert als ihr das in den ersten zehn Jahren eures Lebens getan habt? Gerade jene Internettechnik gibt uns die Möglichkeit in Echtzeit mit mehreren, ja hunderten Menschen fast gleichzeitig, weltweit zu kommunizieren! Es werden Gedanken, Ideen und Kritiken ausgetauscht. Man verabredet sich, man gratuliert sich über Kontinente hinweg zum Geburtstag, man skypt (Auch so eine „revolutionäre“ Technik) mit seinen Eltern wenn man im Urlaub ist usw. usf. Ein Autist würde so etwas niemals schaffen. Zudem möchte ich anmerken das Autismus eine ernste Krankheit ist die für die Betroffenen sicherlich nicht lustig ist, daher taugt das als Kritikwort im eigentlichen Sinne wohl herzlich wenig, doch das nur Mal als Randbemerkung liebe FAZ Kugelschreiber.

Da mokieren Sie sich darüber das beim Essen das Miteinander abhanden kommen würde. Entschuldigen Sie, wir sprechen von einem Flughafen Restaurant wo Menschen aus aller Herrenländer die sich in der Regel noch nie begegnet sind, meistens nicht dieselbe Sprache sprechen und aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen kommen aufeinander treffen. Soll ich meinen indischen Tischnachbar mit alten Familiengeschichten voll quatschen oder ihn übers Wetter ausfragen? Den am Jetleg leidenden australischen Sitznachbar der froh ist über das Internet via Facebook oder ähnlichem mit seinen Lieben in der Heimat zu kommunizieren ausfragen wie er den Flug so fand? Glauben Sie ein völlig übernächtigter Tourist aus Europa der mit Müh und Not noch seine Augen offen halten kann möchte ausgedehnte Konversationen mit dem Bedienpersonal in einer anderen Sprache führen wenn er stattdessen via Computer sein Essen schnell, sauber und unkompliziert bestellen kann? Oder den Kellner der mir dann das Essen bringt über seinen mexikanischen Immigrationshintergrund befragen? Wie stellen Sie sich das vor? Oder sind sie selbst einer dieser penetranten Laberbacken die ständig das Bedürfnis verspüren ihre Mitmenschen ungefragt und überall grundlos vollzutexten und glauben dabei das sei freundlich? Oder gar Nett und „Cool“? Dann stehe ihnen Gott und ein guter Therapeut bei.

Vielleicht haben Sie aber auch nur ein Verständnisproblem. Das was Sie als „herumdaddeln“ bezeichnen IST Kommunikation! Nur auf einer anderen Ebene als das vielleicht früher der Fall war. Und es ist Falsch und einfach ein Vorurteil das jene „Internetgeneration“ sich völlig aus der Realität zurückziehen würde. Völliger Bullshit lieber Herr Strobel y Serra! Sie verknüpft vielmehr virtuelle und reale Welt, digitale Kommunikation mit realen zwischenmenschlichen Informationsaustausch. Ist es nicht ein Zeichen von ausgeprägter sozialer Kompetenz wenn junge Leute bspw. bei Facebook Fotos von Ihrem Urlaub Online stellen damit ihre Freunde, Familie und Bekannte das sehen können? Ist das nicht ein urfreundlicher Akt? Oder wenn ein Auslandsstudent über Skype in Kontakt mit seiner Freundin, seiner Mutter, seinen Unikollegen Zuhause bleibt? Kommen Sie endlich im 21. Jahrhundert an!
Wissen Sie, ich nutze selbst sehr häufig jene Technologien, doch bin ich deswegen nicht weniger draußen Aktiv, im Gegenteil. Ich fotografiere gerne mit meiner (nebenbei bemerkt gestochen scharfen) Smarphone Cam. Es gibt zig Programme/Apps mit denen man diese teilweise einmaligen Schnappschüsse noch verschönern kann und diese kann ich dann an alle meine Freunde und Bekannte direkt weiterleiten und sie so daran teilhaben lassen.

Ist das ihr „Autismus“ Herr Strobel y Serra? Nun, dann bin ich gerne Autist!

Mit daddelnden Grüßen

Ihr Michael Sanchez

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