Die Generation Tschernobyl

Wir sind geboren in den 80er, aufgewachsen in den 90er und den „2000er“. (hört sich doch Krass an so eine Jahrzehntbezeichnung oder? 😉 ) Wir haben noch mit Walkmann und ferngesteuerten Autos gespielt, wir kannten noch Musikkassetten, ja, sogar Videokassetten! An Youtube und den iPod waren war noch nicht Mal zu denken. Wir haben den Kalten Krieg nicht mehr wirklich mit erlebt. Wohl aber den Hype der New Economy Mitte, Ende der 90er, sowie dessen Zusammenbruch nach dem „Millennium“. (Jahrtausendwende) Wir haben die gute, alte D-Mark noch mit erlebt, ja, liebe Kinder, wir hatten zumindest halbwegs stabiles Geld in Händen. Etwas wo die EURO Generation überhaupt nicht mehr kennt. Wir kannten Zeiten wo man von einem Lehrlingsgehalt locker sehr gut leben konnte und sich seine Existenz gut sichern konnte. Wir kannten das Gefühl noch am Ende des Monats sogar Geld über zu haben. Ja, wir haben das genossen! Daher wohl auch unser tiefes Misstrauen, ja unsere entschiedene Ablehnung unserer heutigen, selbsternannten Polit- und Wirtschaftseliten die uns weiß machen wollen das so ein Wohlstand ja gar nicht so einfach möglich sei… und schon gar nicht für die breite Masse.

Für uns war der Besitz einer Bankkarte bzw. Girokarte schon ein riesiger Fortschritt. Es galt sogar als besonders Modern und als Zeichen von Unabhängigkeit. Weil man zum Geld abheben nicht mehr auf die Schalteröffnungszeiten angewiesen war. Da konnte man auch locker OHNE Kenntnisnahme von Eltern oder ähnlichen Hindernissen Nachts um Drei Geld abheben…. Ja, BARGELD, dass kennen viele bald nur noch aus Erzählungen… Hat auch etwas mit Unabhängigkeit zu tun.. Heute sind wir jedoch die ersten die nur noch Online ihr Bankgeschäfte abwickeln. Das haben wir bis Heute uns aus dieser Zeit bewahrt: Eine unglaubliche Affinität für alles technische. Gut, ab und zu wurde es uns auch zum Verhängnis und wir saßen recht  verdattert da mit all unserer Technik wenn diese nicht so funktionierte wie wir uns das vorstellten. Aber im Gegensatz zu unserer Elterngeneration für die vieles was da an neuer Technik und neuen Medien daher kam bis Heute wohl an ein Wunder grenzt, haben wir dies alles stets nicht so bitter ernst genommen. Wir hatten immer noch meistens ein Lächeln auf den Lippen wenn Mal wieder der PC abstürzte. Auch wenn wir etwas auf Anhieb nicht verstanden juckte uns das recht wenig, irgendwann klappte es ja doch. Und eines möchte ich auch noch erwähnen. Wir haben sogar noch ganz oft DRAUSSEEN gespielt! Ja, als Kinder waren wir teilweise mehr als die hälfte des Tages an der frischen Luft! Und sogar ohne Handy und oder Chip Peilsender unter der Haut! Wir sind triefend Nass im Gewitterregen spazieren gegangen, wir haben im Schlamm gespielt und sicherlich unsere Mütter ab und an zur Verzweiflung gebracht. Vielleicht auch die Waschmittelindustrie dazu motiviert sich bei Ihren Produkten noch zu steigern. Wir haben uns die Knie blutig geschlagen, die Arme an Brennnesseln „verbrannt“, uns geschürft und das alles mit kindlicher Wolllust! Da will ich ein Mal ausdrücklich sagen das es in der Hinsicht eine schöne Kindheit war. Doch, wir haben vieles erlebt was Heutzutage weiß Gott nicht mehr allen Kindern möglich ist. Leider.

Auch wenn wir die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl voll abbekommen haben scheinen wir doch nicht all zu sehr verstrahlt worden zu sein. Gut, von einigen Ausnahmen ein Mal abgesehen. Ich glaube einige dieser „Ausnahmetalente“ sind dann später in die Politik gegangen. Da hatte man schon immer Verwendung für tumbe Robotniks aller Art. Oder bilde ich mir das grad nur ein? Ist das vielleicht eine Spätfolge des atomar verseuchten Regens? Ich schweife ab…

Was mir bei meiner Rückblende auffällt ist das in jenen späten 90er aber auch noch unmittelbar nach der Jahrtausendwende ein Optimismus herrschte und eine Lebenszuversicht die Heutzutage vielen Verloren gegangen ist. So scheint es mir zumindest Rückblickend. Der unbedingte Glaube daran das es immer weiter Bergauf geht, immer mehr Voran, kein Halten gibt es. Wir machten alle (!) Führerscheine und Ausbildungen, es war selbstverständlich für uns. Wir strebten nach oben, wir wagten vieles, wir stürzten uns hinein ins Leben. Das wir dann irgendwann auch erkannten das man uns von Vorne bis Hinten immer wieder belogen hatte ist ein anderes Kapitel. Das lag vielleicht auch daran das wir wohl die unpolitischste Generation waren die es seit 1945 gegeben hatte. Politik war in unseren Augen etwas für verbiesterte Kleinbürger oder Karrieristen und Opportunisten. Wer was auf sich hielt ging in die Wirtschaft. Wer egozentrisch, rücksichtslos und abgebrüht genug war der ging in ein Parlament. Und wer richtig Show Talent hatte ging in eine der unzähligen Fernsehshows die damals wie Pilze aus den Boden schossen. Es war die Zeit der Talkshows, damals entstanden (oder wurden einer breiteren Masse zugänglich ) so bekannte wie zweifelhafte Pop- und Stil Ikonen wie Verona Feldbusch, Arabella Kiesbauer, Ingo Appelt, Harald Schmidt und wie sie alle hießen. Einige sprechen mittlerweile sogar von den „wilden 90er“, dass halte ich etwas für weit hergeholt. Andererseits schmeichelt es mir freilich als Angehörigen dieser Generation auch etwas. „Wild“ in Form von Dynamisch und Aufstrebend, ja, dass war diese Zeit schon. Im Gegensatz zum Krisendenken der heutigen Zeit. Diese ewig Miespeterei, fürchterlich. Es war damals alles locker, witzig. Der Bundeskanzler Gerhard Schröder trat lässig in Armani Anzügen und mit dicker Cohiba Zigarre in Fernsehshows auf. Keine nervtötenden grünen Moralapostel. Gut die gab es auch, aber man macht sich auch öffentlich über grüne Knallfrösche wie deren Chef-Betroffenheitsbeauftragte Claudia Roth eher lustig anstatt man sie ernst nahm. Ähnlich machte das wohl auch der damalige Bundeskanzler in Koalition mit den Grünen Wichtelmännern. Die ganze Republik war stets lustig, heiter und vergnügt, Live Kabarett in allen Farben und überall. Man nahm das Leben nicht so bitter ernst. Vielleicht hängt es auch damit zusammen das wir selbst in unserem damaligen Alter vieles nicht so ernst und streng sahen. Doch insgesamt kann man sagen das die damaligen Jahre wesentlich erfrischender wirkten als die betonierte Stagnation der Merkeljahre in der Bundesrepublik.

Was mich auch stark irritierte und aufschreckte ist die stramme Verbotsmentalität mit der mittlerweile in der heiteren Republik Politik gemacht wird. Es fing mit dem Rauchverbot in Kneipen an und ging über zu nächtlichen Verkaufsverboten für Alkohol an Tankstellen, Ideen zu einem generellen Tempolimit, Flugverbotszonen, einem antihumanistischen, menschenfeindlichen Pseudo-Umweltschutz al a Grüne. Die stets so argumentieren als sei der Mensch durch seine alleinige Existenz ja schon der Grund allen Übels auf der Welt. Die mir verordnen wollen Vegan zu leben, mir ständig Vorschriften machen wollen, mich mit Zwangsabgaben überziehen und und und…das hatte es damals so Krass nicht gegeben. (Freilich war man auch damals weit von wirklicher Steuergerechtigkeit entfernt, aber das ist ein anderes Thema..) Und wäre sehr wahrscheinlich auch nicht wirklich Ernst genommen worden. Doch Heute ist das anders. Jeder Gehirnfurz dieser geisteskranken Kontrollfreaks wird von der Mainstream Presse gierig nachgehechelt. Selbst viele Kabarettisten sind auf dem ökostalinistischen Trip gekommen. Als ob in den letzten Jahren sämtliche Medien-Redaktionen von Masochisten und Anhängern der grünen Khmer übernommen worden wären.

Vielleicht hat uns auch vieles von Politik fern gehalten weil wir irgendwie ahnten das dort für uns Ungemach droht. Uns war das nächste neue Auto, der nächste Urlaub oder die neueste technische Spielerei viel wichtiger. Das Voran kommen in der Karriere, dass Gespannt sein auf das was als nächstes für uns an Herausforderungen bereit steht. Daher kann ich die grundlibertäre Aussage Heute sehr Gut nachvollziehen demnach die beste Politik keine Politik ist, der beste Staat, kein Staat ist.

Doch an was erinnern sich die Kinder 80er und 90er noch so? An die US-Vorabendserie Alf, der lustige Außerirdische der doch stets sehr menschliche Züge hatte. An Cartoons mit Garfield dem zynischen Kater, Asterix und Obelix die gegen das römische Imperium aufmuckten. An einen Harald Juhnke der noch nicht ganz so abgeso…äh, abgehalftert war und an Filme (wenn auch schon etwas älter, aber damals rückblickend wohl rund um die Uhr gesendet wurden) mit Bud Spencer und Terence Hill die nicht nur ich verschlungen habe. An die ersten „Personal Computer“ kurz PC. Eines der ersten Fabrikate hieß „Amiga“, die darauf laufenden Spiele würden die heutigen Kids wohl an alles möglich erinnern, nur nicht daran das so etwas einem Spaß machen konnte. Wir bekamen die ersten „Gameboy“ Spielkonsolegeräte, damals noch in schwarz weiß bzw. ohne Farbbild. Aber wir waren fasziniert davon. Mich persönlich fesselten die ersten Strategiespiele für PCs. Age of Empire fällt mir da spontan ein, Panzer General, oder das gute alte Comander Conger! Auch die Ego Shooter Spiele wie das Heutzutage heißt kamen damals bereits auf. Doom hieß glaube ich eines, und würde Heute bestimmt die Sippenpolizei auf den Plan rufen, dort wurde für damalige Technikstandards bereits gemetzelt und geschossen das es nur so eine Pracht war. Und ja, und keiner von uns ist zu einem Amokläufern mutiert oder wurde berufsmäßiger Serienkiller. Auch haben wir uns nicht entschlossen eine terroristische Laufbahn einzuschlagen. Alles Dinge die jenes hysterische Geschrei der heutigen wie der damaligen Medien-Moralapostel eigentlich komplett widerlegt.

Wir gehörten auch zu jenen die ihr erstes Handy nicht bereits mit 10 sondern sage und schreibe mit 14 bekamen! Ja Handy, also das sind diese komischen Dinger wo man „nur“ telefonieren und SMS verschicken konnte, diese kleinen Dinger, wo es keinen Touchscreen gibt und man nicht im Internet surfen kann. Und wir waren Stolz wie ein Pfau auf diese Teile. Jeder der was auf sich hielt und sich für unersetzlich wichtig betrachtete hatte so ein Ding. In der Regel Prepaid Karten wo dann auch nicht immer etwas drauf war, egal, Hauptsache so ein Ding in der Hand gehabt! Ja, freilich, schon damals mahnte besorgte Eltern und die üblichen Hysterie Pädagogen das der Untergang der abendländischen Kultur Nahe wäre wenn die Kinder mit Handys ausgestattet werden würden. Der Verfall von Sitte und Anstand wäre durch die „übermäßige Kommunikation“ der lieben Kleinen quasi beschlossene Sache. Ich erinnere mich dunkel sogar an eine sich wissenschaftlich gebende Studie die damals allen ernstes einen Zusammenhang zwischen der Nutzung des Handys und dem früh Schwanger werden versuchte herzustellen. Und nun? Über ein Jahrzehnt später? Nun, dass meiste war übertriebener Mumpitz. Freilich, dass die Strahlung von Handys Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hat ist mittlerweile unumstritten. Beispielsweise erhöht sich die Körpertemperatur, für mich ein Indiz das diese Strahlung also eine handfeste physische Wirkung hat. Daher sollte sich jeder wie bei allen technischen Apparaten über die Nebenwirkungen beim Gebrauch dieser bewusst sein. Doch so abgeklärt sahen das leider damals die Wenigsten. Überhaupt stelle ich fest das es gerade unsere Elterngeneration ist die trotz der „Freundschaft“ die sie mittlerweile mit den neuen Medien und Techniken geschlossen haben es an Abgeklärtheit und Gelassenheit mangelt. Für sie ist das immer noch „unnützes Zeug“ das sie mittlerweile freilich jeden Tag selbst nutzen…

Zum Schluss bevor ich mich vollends in wirren Erinnerungen verliere noch ein paar Sätze zu unserer Schulzeit. Wir bekamen ja quasi die „Creme de la Creme“ was die 68er Bildungsexperimente so hervorgebracht haben serviert. Wir hatten alles, Vielfalt war da wirklich nicht nur eine hohle Phrase! Von anfänglichem, konservativen Frontalunterricht alter Lehrart in der Grundschule, über diverse „Teamwork“ Aktionen in den weiterführenden Schulen, bis hin zu teilweise sonderbaren Projektarbeiten wo offenbar einige Lehrer Ihre feuchten Uni-Pädagogik-Fantasien austobten. Auch der damals aufkommende „IT-Unterricht“. Das „IT“ stand für „Informationstechnik“ oder „Informatik“. Dort lernten wir an den staatlichen Beschulungsanstalten auf freilich veralteten Rechnern wie das da in Zukunft wohl Mal laufen würde, da draußen, Internet und PC und so. Schön war auch das einige Lehrer selbst offenbar über ähnliches Wissen verfügten wie ihre Schüler. Doch damals war das bitterer ernst. Auch bemerkten wir das gerade an den weiterführenden Bildungseinrichtungen viele Lehrer derart demotiviert waren das sie so nur als herausragende Vorbilder für Ihre Schüler gelten konnten. Auch hier ein Beweis dafür das der Staatsdienst, egal wo, für Tränensäcke und Schnarchnasen, sowie psychisch labile Persönlichkeiten immer noch die beste Entfaltungsmöglichkeit darstellt. Auch wenn es sich hier um Schulen handelte und die Opfer unschuldige Kinder sind.

Abschließend muss man sagen waren es doch „heitere Jahre“, auch wenn man damals die Schatten der aufkommenden Zeit hätte sehen können und wir vielleicht auch zeitweilig sahen. Doch genug herum sinniert über Früher, willkommen im hier und jetzt meine lieben Generationengeschwister! Lehnen wir uns zurück und machen es und bei Popcorn und Cola gemütlich. Denn das hier ist besser als Kino!

Mit Gedanken verschwurbelten Grüßen

Ihr Michael Sanchez

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